Skolawork Logo

BGM-Multiplikatorenkonzepte: Gesundheit wirksam in der Organisation verankern

Weiterbildung & Qualifizierung | 7 Min. Lesezeit

Betriebliches Gesundheitsmanagement wird häufig zentral gesteuert, muss jedoch in unterschiedlichen Teams, Fachbereichen und Standorten wirksam werden. BGM-Multiplikatorenkonzepte schaffen hierfür eine wichtige Verbindung zwischen zentraler Steuerung und betrieblichem Arbeitsalltag.

Multiplikatoren unterstützen die Kommunikation, greifen Bedarfe und Rückmeldungen aus den jeweiligen Bereichen auf und fördern die Umsetzung von BGM-Themen vor Ort. Voraussetzung dafür sind klar definierte Aufgaben, eine gezielte Qualifizierung und die feste Einbindung in bestehende BGM-Strukturen.

Warum Multiplikatorenkonzepte im BGM relevant sind

Zentrale BGM-Verantwortliche können Strategien entwickeln, Maßnahmen planen und Kennzahlen auswerten. Sie verfügen jedoch nicht dauerhaft über unmittelbaren Einblick in sämtliche Teams, Standorte, Schichten und Tätigkeitsbereiche.

Gerade in größeren Organisationen unterscheiden sich Arbeitsbedingungen, Kommunikationswege und Möglichkeiten zur Teilnahme an Gesundheitsangeboten teilweise erheblich. Maßnahmen, die in der Verwaltung gut funktionieren, können beispielsweise in Produktion, Logistik oder Außendienst nur eingeschränkt zugänglich sein.

BGM-Multiplikatoren können diese Unterschiede frühzeitig sichtbar machen. Sie unterstützen die Kommunikation in den jeweiligen Bereichen und geben gleichzeitig Rückmeldungen an die zentrale BGM-Steuerung weiter.

Ihr strategischer Nutzen liegt damit vor allem darin, Reichweite, Transfer und Rückkopplung innerhalb des BGM zu verbessern.

Aufgaben und Rolle von BGM-Multiplikatoren

BGM-Multiplikatoren sind Beschäftigte oder betriebliche Akteure, die ergänzend zu ihrer eigentlichen Funktion definierte Aufgaben innerhalb des Betrieblichen Gesundheitsmanagements übernehmen.

Je nach Unternehmen werden dafür unterschiedliche Bezeichnungen verwendet, beispielsweise Gesundheitsbotschafter, Gesundheitslotsen, Gesundheitsbeauftragte oder BGM-Ansprechpersonen.

Wichtiger als die Bezeichnung ist ein eindeutiges Rollenprofil.

Typische Aufgaben können darin bestehen,

  • über bestehende Gesundheitsangebote zu informieren,
  • Beschäftigte für relevante Gesundheitsthemen zu sensibilisieren,
  • auf interne Unterstützungsangebote hinzuweisen,
  • einzelne Maßnahmen organisatorisch zu begleiten,
  • Bedarfe und Rückmeldungen aus den jeweiligen Arbeitsbereichen aufzunehmen,
  • Informationen strukturiert an die zentrale BGM-Steuerung weiterzugeben.

Multiplikatoren übernehmen damit eine unterstützende und vermittelnde Funktion. Sie ersetzen weder das professionelle Betriebliche Gesundheitsmanagement noch Führungskräfte, Betriebsärzte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit oder andere spezialisierte Funktionen.

Gerade bei sensiblen Themen ist diese Abgrenzung wesentlich. Multiplikatoren benötigen Klarheit darüber, welche Aufgaben innerhalb ihrer Rolle liegen und wann professionelle Unterstützung erforderlich ist.

Auswahl und Qualifizierung gezielt gestalten

Ein grundsätzliches Interesse an Gesundheit ist für die Auswahl von Multiplikatoren hilfreich, sollte jedoch nicht das einzige Kriterium sein.

Wichtiger sind Eigenschaften und Rahmenbedingungen, die für die konkrete Rolle relevant sind. Dazu gehören insbesondere Akzeptanz innerhalb der jeweiligen Zielgruppe, Kommunikationsfähigkeit, Zugang zu den Beschäftigten, Bereitschaft zur Übernahme der Aufgabe und ausreichend zeitliche Ressourcen.

Auch die Zusammensetzung des Netzwerks sollte sich an der Unternehmensstruktur orientieren. Bei mehreren Standorten kann beispielsweise eine angemessene regionale Verteilung wichtig sein. In Unternehmen mit Schichtarbeit sollten unterschiedliche Arbeitszeitmodelle berücksichtigt werden. Bei themenspezifischen Konzepten können zusätzliche fachliche oder kommunikative Anforderungen hinzukommen.

Die Qualifizierung sollte anschließend konsequent aus dem Rollenprofil abgeleitet werden.

Mögliche Inhalte sind:

  • Grundlagen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements
  • Ziele und Strukturen des unternehmenseigenen BGM
  • Aufgaben und Grenzen der Multiplikatorenrolle
  • Kommunikations- und Gesprächskompetenzen
  • interne Unterstützungsangebote und Ansprechpartner
  • Datenschutz und Vertraulichkeit
  • themenspezifisches Fachwissen
  • strukturierte Weitergabe von Rückmeldungen

Eine einmalige Schulung reicht jedoch nicht aus. Für ein dauerhaft funktionierendes Netzwerk benötigen Multiplikatoren regelmäßige Informationen, feste Ansprechpartner und Möglichkeiten zum Austausch.

Typische Einsatzfelder in Unternehmen

Multiplikatorenkonzepte können sowohl themenbezogen als auch organisationsbezogen aufgebaut werden.

Mentale Gesundheit

Im Bereich der mentalen Gesundheit können Multiplikatoren dazu beitragen, das Thema im Unternehmen sichtbarer zu machen, Beschäftigte für mögliche Belastungen zu sensibilisieren und vorhandene Unterstützungsangebote bekannter zu machen.

Im Mittelpunkt stehen Orientierung und Weitervermittlung. Diagnostische oder therapeutische Aufgaben gehören ausdrücklich nicht zur Multiplikatorenrolle.

Ergonomie

Ergonomische Multiplikatoren können den Transfer grundlegender Prinzipien gesundheitsgerechter Arbeitsgestaltung in den Arbeitsalltag unterstützen.

Besonders sinnvoll ist dies, wenn Beschäftigte nach ergonomischen Beratungen oder Schulungen auch langfristig Ansprechpartner in ihrem Bereich haben sollen. Die konkreten Inhalte müssen dabei an die jeweiligen Tätigkeiten angepasst werden, da sich die Anforderungen in Büro, Produktion, Logistik oder Außendienst erheblich unterscheiden.

Bewegung im Arbeitsalltag

Bewegungsmultiplikatoren können kurze Aktivierungsimpulse begleiten und Beschäftigte dabei unterstützen, mehr Bewegung in bestehende Arbeitsabläufe zu integrieren.

Dabei geht es weniger um zusätzliche Sportangebote als um praktikable Ansätze für unterschiedliche Tätigkeiten, beispielsweise aktive Pausen, kurze Mobilisationseinheiten oder bewegte Besprechungen.

Dezentrale Standorte und unterschiedliche Beschäftigtengruppen

Besonders relevant können Multiplikatorenkonzepte für Unternehmen mit mehreren Standorten oder heterogenen Beschäftigtengruppen sein.

Hier übernehmen Multiplikatoren vor allem eine organisatorische und kommunikative Funktion. Sie unterstützen beispielsweise die Umsetzung von Gesundheitstagen, Gesundheitschecks, Befragungen, Workshops oder digitalen Angeboten an den jeweiligen Standorten.

Gleichzeitig geben sie Rückmeldungen zur Erreichbarkeit und Umsetzbarkeit der Maßnahmen an die zentrale BGM-Steuerung weiter.

Gerade dieser Einsatzbereich zeigt, dass Multiplikatorenkonzepte weit über einzelne Gesundheitsthemen hinausgehen können. Sie können Bestandteil einer dezentralen BGM-Struktur sein und dazu beitragen, einheitliche strategische Ziele mit unterschiedlichen betrieblichen Voraussetzungen zu verbinden.

Multiplikatoren in die BGM-Steuerung integrieren

Der Aufbau eines Multiplikatorennetzwerks sollte nicht mit der Auswahl interessierter Beschäftigter beginnen.

Zunächst sollte geklärt werden, welches konkrete Problem oder welche strategische Aufgabe mit dem Konzept adressiert werden soll.

Mögliche Fragestellungen sind beispielsweise:

  • Welche Beschäftigtengruppen werden bislang nicht ausreichend erreicht?
  • An welchen Standorten fehlen geeignete Kommunikationsstrukturen?
  • Bei welchen Gesundheitsthemen besteht besonderer Unterstützungsbedarf?
  • Wo fehlen Rückmeldungen über die tatsächliche Umsetzbarkeit von Maßnahmen?
  • Welche BGM-Themen sollen stärker im Arbeitsalltag verankert werden?

Erst auf dieser Grundlage lassen sich Rollenprofil, Auswahlkriterien, Netzwerkgröße und Qualifizierungsbedarf sinnvoll bestimmen.

Ein strukturierter Aufbau folgt damit einer klaren Logik:

BGM-Zielsetzung → Bedarf und Zielgruppen → Rollenprofil → Auswahl → Qualifizierung → Einbindung → Evaluation

Besonders wichtig ist der kontinuierliche Informationsfluss. Multiplikatoren müssen wissen, wohin sie Rückmeldungen weitergeben können und wie mit diesen Informationen innerhalb des BGM umgegangen wird.

Nur wenn Rückmeldungen tatsächlich in Planung und Steuerung einfließen, entsteht aus einzelnen geschulten Personen ein funktionierendes Netzwerk.

Wirkung des Multiplikatorennetzwerks überprüfen

Auch ein Multiplikatorenkonzept sollte systematisch bewertet werden. Dabei ist die Anzahl geschulter Beschäftigter allein wenig aussagekräftig.

Entscheidend ist, ob das Netzwerk die ursprünglich definierte Funktion erfüllt.

Geeignete Kennzahlen können beispielsweise sein:

  • Abdeckung relevanter Standorte und Beschäftigtengruppen
  • Bekanntheit des Multiplikatorennetzwerks
  • Teilnahme an Austausch- und Weiterbildungsformaten
  • Reichweite ausgewählter BGM-Kommunikation
  • Anzahl und Qualität strukturierter Rückmeldungen
  • identifizierte organisatorische Barrieren
  • auf Basis der Rückmeldungen vorgenommene Anpassungen

Ergänzend können qualitative Informationen aus Gesprächen, Austauschrunden oder Steuerkreisen einbezogen werden.

Unternehmensweite Kennzahlen wie Fehlzeiten sollten dagegen nicht unmittelbar als Wirkungsnachweis des Multiplikatorenkonzeptes interpretiert werden. Solche Entwicklungen werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst und lassen sich in der Regel nicht eindeutig einer einzelnen BGM-Struktur zuordnen.

Für die Evaluation ist deshalb eine einfachere Frage entscheidend: Erfüllt das Netzwerk die Aufgabe, für die es eingerichtet wurde?

Fazit: Multiplikatoren gezielt als BGM-Struktur einsetzen

BGM-Multiplikatoren können insbesondere dort einen Mehrwert schaffen, wo zentrale Steuerung allein nicht ausreicht, um unterschiedliche Beschäftigtengruppen, Standorte oder Arbeitsbereiche wirksam zu erreichen.

Ihr Nutzen liegt vor allem in der besseren Kommunikation, im Transfer von BGM-Themen in den Arbeitsalltag und in der strukturierten Rückmeldung aus den unterschiedlichen Unternehmensbereichen.

Voraussetzung sind eine konkrete Zielsetzung, ein eindeutiges Rollenprofil, geeignete Auswahlkriterien, eine fundierte Qualifizierung und eine dauerhafte Einbindung in bestehende BGM-Strukturen.

Ein Multiplikatorenkonzept sollte deshalb nicht als einzelne Schulungsmaßnahme verstanden werden. Richtig aufgebaut, kann es zu einer dezentralen Unterstützungsstruktur innerhalb eines systematisch gesteuerten Betrieblichen Gesundheitsmanagements werden.

Keine neuen Fachbeiträge und kostenfreien Webimpulse verpassen

Erhalten Sie regelmäßig aktuelle BGM-Impulse, neue Fachbeiträge und Hinweise auf kostenfreie Webinare – kompakt und direkt per E-Mail.

Jetzt abonnieren

Beratungsgespräch vereinbaren

Der schnellste Weg zum Gespräch ist die direkte Terminbuchung. Über den Terminbutton wählen Interessierte ein passendes Zeitfenster und erhalten unmittelbar eine Bestätigung.

 

Angebot anfragen

Ob strategisches Betriebliches Gesundheitsmanagement, Gesundheitstage, Gesundheitsförderung oder individuelle Gesundheitslösungen – gemeinsam finden wir den passenden Ansatz für Ihr Unternehmen. Senden Sie uns Ihre Anfrage und wir erstellen ein auf Ihre Anforderungen zugeschnittenes Angebot.